Zakynthos ist eine Insel voller Legenden. So geht
beispielsweise die Sage, daß die Götter Artenmis und Apoll das
grüne Eiland zu ihrem Garten erkoren. Ein anderes Histörchen
verdanken wir Homer, der berichtet, daß die Insel nach ihrem ersten
Siedler benannt sei: Zakynthos, Sohn des phrygischen Königs
Dardanos, der die Stadt Troja gründete.
Weniger mythisch sind die Legenden jüngeren Datums - etwa das
berühmte Piraten-Wrack, das spektakulär in einer Bucht am Fuß
senkrecht abfallender Felsen liegt und eines der beliebtesten
griechischen Werbesujets ist: Es stimmt zwar, daß Zakynthos
jahrhundertelang immer wieder von Piraten überfallen wurde, doch
bei diesem Wrack handelt es sich um die Überreste eines Frachters,
der Mitte der 70er Jahre an dieser Küste auf Grund lief und seither
still am Strand vor sich hin rostet. Nichtsdestoweniger bietet es
aus der Vogelperspektive einen faszinierenden Anblick. Auch das von
vielen Reiseführern kolportierte Märchen von Frischwasserquellen
auf Zakynthos ist ein solches: Tatsächlich gibt es auf der ganzen
Insel nur eine einzige Quelle, und selbst deren Qualität läßt zu
wünschen übrig. Daher wird der Süßwasser-ebenso wie der Strombedarf
mittels einer unterirdischen Pipeline von der nur rund fünf
Seemeilen entfernten Nachbarinsel Kefallonia gedeckt.
Reichlich Wasser bekommt Zakynthos freilich vom Himmel: Die
südlichste der sechs Ionischen Inseln verdankt ihre farbenprächtige
Vegetation dem milden, regenreichen Klima. Zwischen dunkelgrünen
Pinien und knorrigen Olivenbäumen erfreuen im Frühjahr
leuchtendgelbe Ginsterbüsche und knallroter Klatschmohn das Auge;
im Hochsommer wird es bei Temperaturen an die 40 Grad allerdings
deutlich trockener. In den spärlich bewaldeten Bergen, deren
höchster knapp 750 Meter mißt, lebt wenig Wild - dennoch fliegen
viele Athener übers Wochenende zur Jagd nach Zakynthos. Geschossen
wird nicht auf die ohnehin raren Hasen, sondern auf Singvögel. Um
dem ein Ende zu bereiten, greifen Tierschützer neuerdings zu
krassen Methoden: Sie legen Giftköder aus, damit die Schützen aus
Sorge um ihre Hunde der Insel fernbleiben. Leider besteht die
Reaktion der Jäger bisher vor allem darin, auf der Pirsch
Erste-Hilfe-Koffer für die Hunde mitzuführen.
Besseren Schutz erfahren die Meeresschildkröten, die neben der
Blauen Grotte und dem Piraten-Wrack das dritte touristische
Aushängeschild von Zakynthos darstellen. Die Caretta-caretta
(Karett-Schildkröte) paart sich in den Buchten der Insel und legt
ihre Eier im Sand ab. Der WWF und andere Tierschutzorganisationen
wachen darüber, daß die Gelege und Jungtiere nicht gestört werden:
So wurden alle Lokale von den Brutstränden verbannt, weil Lärm oder
künstliches Licht die Baby-Schildkröten irritieren und
desorientieren.
Auch die 20köpfige Population der seltenen Robbenart
Monachus-monachus wird sorgsam behütet - ein Zeichen dafür, daß
sanfter Tourismus auch in Griechenland immer mehr an Bedeutung
gewinnt.